Kriegsdienstverweigerer in Kaserne zu Tode gefoltert 

hier: konkrete Fälle aus der Ukraine:

Das Recht auf Kriegsdienstverweigerung ist in der Ukraine schon länger aufgehoben worden. Ohnehin galt es auch schon vorher nur rudimentär, nur für Männer, die bestimmten, namentlich aufgeführten (kleinen) Religionsgemeinschaften angehörten. Wer sich trotzdem weigert, auf seine Mitmenschen zu schießen, hat oft Folter zu erdulden - manchmal mit tödlichem Ausgang, wie der folgende Fall zeigt: 


Felix Corley vom Nachrichtendienst Forum18 aus Oslo hat am 25. Juni (Aktualisierung am 1. Juli) einen ausführlichen Bericht über die Verfolgung von Kriegsdienstverweigerern in der Ukraine veröffentlicht, den wir hier in der Übersetzung stark gekürzt wiedergeben:

Bedienstete der Wehrersatzbehörde nahmen den 50-jährigen Baptisten und Kriegsdienstverweigerer Dmytro Koval vom Rat der Kirchen fest, lehnten seinen Antrag auf zivilen Ersatzdienst ab und schickten ihn zum Skelya-Sturmregiment. Das Militärpersonal folterte ihn, weil er sich weigerte zu essen. Er starb am 21. März. Als die Beamten Kovals Leiche zurückgaben, war sein Gesicht nicht mehr zu erkennen. Seine Witwe konnte ihn „nur anhand seiner Muttermale, der Form seiner Ohren, seiner Gesichtsfalten und anderer charakteristischer Merkmale“ identifizieren, wie die Baptisten feststellten. Sie forderte die Polizei auf, seinen Tod unter dem Vorwurf des Mordes und der Folter zu untersuchen. Der Ermittler Serhiy Popika weigerte sich, Auskunft zu geben. Was war vorgefallen? 

Bedienstete der Einberufungsbehörde nahmen den 50-jährigen Baptisten Dmytro Koval vom Rat der Kirchen am Abend des 1. März fest. Nachdem sie seine Verweigerung des Wehrdienstes aus Gewissensgründen und seinen Antrag auf Ableistung eines zivilen Ersatzdienstes abgelehnt hatten, übergaben die Beamten ihn an das Militär. Am 6. März traf er beim Skelya-Sturmregiment in der Region Dnipropetrowsk ein. Dort starb er am 21. März. In seiner Sterbeurkunde wurde als Todesursache „Herz-Lungen-Insuffizienz, nicht näher bezeichnet“ angegeben. Er sei „in einem Auto“ gestorben. Als sein Leichnam an seine Familie übergeben wurde, wies er Spuren brutaler Misshandlung auf. „Sie haben ihm immer wieder auf den Kopf geschlagen. Sie packten ihn am Hals und warfen ihn – hoben ihn hoch und warfen ihn erneut. Sie traten und schlugen auf ihn ein“, berichtete ein Mann aus derselben Militäreinheit der Journalistin Kateryna Likhohliad. Die Journalistin Kateryna Likhohliad untersuchte die hohe Sterblichkeitsrate im 425. Sturmregiment „Skelya“, in dem Koval getötet wurde. Sie stellte fest, dass es in einem Zeitraum von sechs Monaten ab Ende 2025 zu 26 Todesfällen außerhalb von Kampfhandlungen gekommen war, wobei viele dieser Männer innerhalb eines Monats nach ihrer Ankunft starben. 

Ein weiterer Fall berichtet von einer 'Nicht-tödlichen Folter': 

Zwischen März und April wurden drei Zeugen Jehovas – Serhiy Batiuzhenko, Eduard Martens und Ruslan Korobeinyk, alle Anfang fünfzig – in derselben militärischen Ausbildungseinheit in der Nähe von Pidlisne in der Region Dnipropetrowsk gefoltert, weil sie als Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen den Militärdienst verweigert hatten. Ein Militärausbilder schlug sie bis zur Bewusstlosigkeit, während andere Soldaten sich über ihren Glauben lustig machten und ihnen medizinische Versorgung vorenthielten.  Ein Zeuge berichtete der Journalistin Likhohliad, wie religiöse Kriegsdienstverweigerer in einer Grube festgehalten wurden. Wehrpflichtige mit psychischen Störungen wurden oft zusammen mit ihnen festgehalten.


Im März bekräftigte die Unabhängige Internationale Untersuchungskommission der Vereinten Nationen (UN) zur Ukraine die bereits zuvor geäußerte Besorgnis der UN hinsichtlich der fehlenden Möglichkeit, in Kriegszeiten einen zivilen Ersatzdienst zu leisten. Sie äußerte zudem Besorgnis über Gewalt gegen Kriegsdienstverweigerer, die gewaltsam auf Militärstützpunkte gebracht wurden.


(Quelle: Birgitta Meier über den Mailverteiler: [email protected] vom 17.07.2026)

Ergänzender Hinweis: Derartige Fälle gibt es nicht nur in der Ukraine. Aus der russischen Armee sind derartige Fälle vereinzelt auch schon bekannt geworden! Ganz gleich in welchem Land dieser Erde sich derartige Menschenrechtsverletzungen im Umgang mit Kriegsdienstverweigern ereignen, sie sind in jedem Einzelfall zu verurteilen!  


Svitac Bosnia - ein Friedensprojekt in Brcko sucht Unterstützung für sein Sommercamp 2026

Wie wird Frieden? In dem Projekt "Svitac Bosnia" in Brcko begegnen sich Kinder und Jugendliche aus den verschiedenen Ethnien, die sich im Jugoslawienkrieg bekämpft haben, lernen Sprachen zusammen, diskutieren über Respekt und  Vielfalt, Inklusion und Demokratie. So werden Feindbilder und Vorurteile abgebaut. Wichtig gerade jetzt, wo Nationalismus dort wieder stärker wird.
Der Kontakt unseres IKF-Mitglieds, Hertha Steinmaier zu diesem ganz besonderen  Friedensprojekt geht über Edina und Sanjin Vosanovic, die als junge Geflüchtete während des Kriegs in Nürnberg wohnten und nach ihrer Rückkehr im Projekt eingestiegen sind. Hertha Steinmaier hat die Kinder in Brcko besucht und waren tief beeindruckt.
Dieses Sommercamp ist bereits schon seit vielen Jahren für viele Kinder und Jugendliche das highlight des Jahres: eine ganze Woche zusammen reden, kreativ sein, Musik machen, Feiern, und das zusammen mit Freiwilligen aus anderen Ländern, die ihre Erfahrungen mitbringen und Einsichten von Svitac wieder mit zurücknehmen. So wird Frieden - mit viel Lebendigkeit und Lebensfreude! 

Mehr Infos und Berichte können hier runtergeladen werden:
https://svitac.org/svitac-firefly-in-bosnia-project-report-may-2026/ https://svitac.org/esc-european-solidarity-corps-trainings-for-mentors/https://svitac.org/international-family-day/https://svitac.org/the-world-day-for-cultural-diversity-for-dialogue-and-development/    Omladinska organizacija Svitacwww.svitac.org www.facebook.com/omladinska.svitac

Vielleicht können Sie sich, könnt ihr euch mit einer Spende beteiligen, damit es auch 2026 wieder ein Sommercamp geben kann. Spendenkonto: Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Nürnberg St.Jobst, VR Bank, IBAN: DE 52 7606 9559 0004 1699 72. "Svitac Bosnia".Wenn Sie Ihre  Adresse angeben, bekommen Sie eine Spendenquittung.   

„couragiert widerständig“

FriedensDekade ermutigt zur gewaltfreien Gegenwehr gegen Hass und Gewalt


„couragiert widerständig“, so lautet das Motto der 46. Ökumenischen FriedensDekade, die an zehn Tagen vor Buß- und Bettag,

in diesem Jahr vom 8. bis 18. November 2026

, bundesweit durchgeführt wird.
Das Motto lädt dazu ein, Haltung zu zeigen, das eigene Gewissen zu schärfen und zu prüfen und mutig für Menschenrechte, internationales Recht und Frieden einzutreten. Es ermutigt zu einer aktiven, gewaltfreien Gegenwehr gegen Unrecht, Hass und Gewalt.

Weitere Informationen unter: www.friedensdekade.de

Nachfolgend ausgewählte Pressemitteilungen und weitere lesenswerte öffentlich zugängliche Texte: 

"Wer Frieden will, muss
mit dem Feind reden"

Eine sehr empfehlenswerte ökumenische Friedensschrift ǀ 2026

Der Ansatz unterscheidet sich fundamental von der Friedens-Denkschrift der EKD von 2025 
und auch von dem Friedenswort der Deutschen Bischöfe von 2024.


"Diese Friedensdenkschrift gibt im besten Sinn eine Orientierung: 
klar in der Position, verständlich in der Sprache, 
gut strukturiert und ohne politische und  theologische Verrenkungen." 
(Elisabeth Freise, Mitglied im Koordinierungskreis von 'Sicherheit neu denken')
erschienen in der Reihe: 

 edition pace ISBN 978-3-6963 -9825-5 

Herausgegeben in Kooperation mit dem Ökm. Institut für Friedenstheologie

HIER die dazugehörige Internetseite: 

 www.oekum-institut-friedenstheologie.de 

"Frieden kann und muss man lernen"

SZ-Kolumne von Heribert Prantl am 26. Februar 2026


In ihren Verfassungen legten die Bundesländer vor 80 Jahren fest, die Schülerinnen zur „Friedensliebe“ zu erziehen. Eine solche Friedenserziehung bedeutet: Bildung in der Kunst des Kompromisses. Sie ist Schule der Neugier, die dem anderen begegnet, ohne gleich zu werten.

Verfassungen sollen so sein, dass sie die Verfassung der Bürgerinnen und Bürger nicht ruinieren. So hat das einmal ein Spötter formuliert. Nach solchem Spott war den Menschen nicht, als vor achtzig Jahren im damaligen Württemberg-Baden, in Hessen und in Bayern die Arbeiten an neuen Landesverfassungen begannen. Der Ruin war schon da, Deutschland lag in Trümmern, Schutt und in Elend. 

Die von der US-Militärregierung eingesetzten Gremien zur Vorbereitung der Verfassungen machten sich mit großem Ernst und mit dem Willen ans Werk, einen demokratischen Neubeginn zu markieren; das war mehr als zwei Jahre bevor an ein Grundgesetz überhaupt gedacht wurde. Die Landesverfassungen, die damals entstanden, wurden geschrieben in einer Mischung aus Hoffnung und Verzweiflung; sie sind Liebeskummerbriefe und eindringliche Mahnungen zum Frieden und zur Versöhnung.

Das Jubiläumsjahr 2026 ist daher Anlass, die einschlägigen Seiten der Landesverfassungen zu entdecken, die Wünsche und Visionen des neuen Anfangs – und sich Gedanken darüber zu machen, wie die dort verlangte Friedenserziehung heute aussehen könnte.